| An Göhl und Iter
Erfolgreiche Premiere
Lange Kinonacht war ausverkauft
Hergenrath
Eine lange Kinonacht mit vier japanischen Filmen; in den Pausen japanisches Bier, grüner Tee und heißer Sake, Sushi und Wagashi- die Edelhäppchen der Inselnation. Der Einladung von KuKuK VoE zum ersten kulinarischen Filmabend waren 150 Gäste gefolgt.
Das Haus war ausverkauft. Selbst japanische Gäste aus Aachen und Eupen fanden sich in der Waldburg ein.
Zu dem außergewöhnlichen Programm nahm so mancher Besucher einen langen Anfahrtsweg in Kauf. Ein puristisch beleuchterter Steinweg führte ins »Cinema Paradiso«. Der Saal war liebevoll japanisch anmutend dekoriert. Fremde fernöstliche Klänge, ein knatternder 16mm Projektor, bollernde Gasöfen und alte Holzstühle sorgten für eine behaglich dörfliche Umrahmung. Eigens für den Abend erstellt, zeigte KuKuK in den Pausen eine Diashow zum gesamten japanischen Projekt 2004. Desweiteren erhielt jeder Besucher die frisch gedruckte Dokumentation »Magic Island«. »Wir sind keine Japanexperten«, betonte Alice Loo, die Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins, »aber inzwischen sehr Japan interessiert und begeistert. Das Filmprogramm ist aus europäischer Sicht zusammengestellt, mit dem Ziel japanische Kunst, Kultur aber auch das Alltagsleben vorzustellen.«
Kulturfilme
Der Abend bot drei anspruchsvolle Kulturfilme sowie einen echt japanischen »Soap«, aus dem Genre Komödie und Familienmelodrama. Nachdenklich stimmend der Beitrag zum Zen-Buddhismus, beeindruckend die minimalistische Ästhetik und zugleich befremdend die Strenge im Alltag. Die Klosterregel aus dem achten Jahrhundert »Ein Tag ohne Arbeit - ein Tag ohne Essen« beherzigen heute noch die Mönche und Nonnen.
Wundervolle Naturaufnahmen, perfektionistisches Handwerk und Wissenwertes über die traditionelle Teezeremonie zeigte der Film »Wagashi«. Die japanische Teesüßigkeit, aus pürierten Azuki-Bohnen und Agar Agar hergestellt, ist geprägt von der Schönheit und Eleganz der Edozeit. Zum Tee gereicht, eröffnet sie eine Welt voller Poesie.
Geisteshaltung
Ein Zen Spruch sagt »shaza kissa«- »Setz dich - trink Tee«. In dieser Geisteshaltung werde die Wagashis zu einer unvergesslichen Köstlichkeit. Zugleich wird die Bedeutung und die Flüchtigkeit des Augenblicks schlagartig klar. Der letzte legendäre Tora-San Film »Männer haben es schwer« von Yamada Yôji sorgte für humorvolle Unterhaltung. Durch den Tod des Hauptdarstellers Atsumi Kiyoshi im August 1996 fand die längste Serie der Welt ihr unwiderrufliches Ende. Im Mittelpunkt der Komödie steht der fliegende Straßenhändler Tora-San. Er ist der Prototyp des einfachen japanischen Menschen, des unheldischen Helden, des einsamen Japaners. Er gibt sich stets ungeschminkt und als liebenswürdiger energischer Außenseiter weiß er seinen eignen Weg zu gehen!
Kurz nach Mitternacht erblühten die »Hanabis« - die Feuerblumen des Himmels, auf der Leinwand. Japanisches Feuerwerk zeichnet sich aus durch Harmonie, Poesie und Perfektion. Zentrales Thema ist die Natur. Hauptträger der Lichtfiguren ist die Kugelbombe, sei es als strahlende Chrysantheme, als Weide mit herabsinkenden Zweigen aus Gold oder als leutende Palme aus Brillantfeuer.
»Wir haben viel über das fremde Inselreich erfahren und alle Sinne sind dabei auf ihre Kosten gekommen«, solautete das Fazit eines Besuchers zum Abend.
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